Beat-Unit Interview mit Bentastic

1. Ist das Clubben erforderlich für deine Vibe beim Producen? (abgesehen von Corona)

Das Clubben ist tatsächlich eines der Dinge, die ich überhaupt nicht mag. Sowohl beim Producen, als auch abseits der Arbeit bin ich ziemlich relaxed unterwegs. Mir liegt einfach viel mehr an der Musik. Den Vibe den ich brauche hol ich mir viel mehr von der Musik, die ich höre bzw. die mich inspiriert.

2. Fühlst du eine Form von künstlerischer Intelligenz, wenn deine Ergebnisse sich für dich fresh anhören?

Intelligenz würde ich nicht sagen. Freude und eine Art Dankbarkeit die Möglichkeit zu haben sowas zu produzieren. Der Gedanke, dass ich irgendwas „richtig“ gemacht habe, herrscht definitiv. Eine goldene Platte an der Wand zu haben ist für mich kein Zeichen von Intelligenz, sondern eher eine Ehre, solltest du die Verbindung damit suchen.

3.Ist die Selbstständigkeit am Release-day am meisten zu spüren oder gehört das zum Tagesgeschäft?

Im Gegenteil. Wenn du mehrere Tage vor dem Laptop sitzt und am Ende dem Label deine Leistung nicht gefällt und ablehnt, du nicht bezahlt wirst, dann weißt du, ich stehe auf eigenen Beinen. Bei fast jedem anderen Beruf hätte ich bezahlt werden sollen und hier ist die investierte Energie und Zeit manchmal nichts wert. Gerade in den Anfängen erleben Producer oder auch andere Künstler diese Situation. Die wichtigen Releases sind mit Freude verbunden und ich erlebe sie auch bewusst mit, aber nicht jeder einzelne Release ist ein besonderer Tag auf den ich warte. Es läuft und sollte immer weiterlaufen. Dazu muss ich noch sagen, dass ich neben der Musik auch jobbe. Ich erlebe schon die nine-to-five Berufswelt mit und habe zusätzlich die letzten vier Jahre studiert. Also alles Komponenten, die nicht den Effekt der Selbstständigkeit erzielen, der grundsätzlich erlebt wird.

4. Ist dein Studium (Studiengang: Musikproduktion) ein Instrument der Sicherheit oder geht es dir um die Theorie?

Also ich sag mal so: Das Studium dient schon dazu die Basics zu erlernen, doch den Abschluss mache ich nur, damit ich ihn in der Tasche habe. Natürlich nutze ich diesen auch um zu connecten mit anderen Künstlern z. B. Sixcube (einer der Gründer von Beat Unit) und zur Vorbereitung auf die Selbstständigkeit.

5. Wie siehst du die Thematik des Schatten-Producers?

Das Branding von Producerny nimmt immer mehr Form an, wie siehts du deine Rolle in der Szene? In der Schlagerszen- oder Danceszene ist es anders als im Deutschrap. Die Producer in unserer Szene sind eine Community, die vollkommen cool damit ist, sich im Hintergrund zu positionieren und die Energie auf die Qualität zu beschränken. Eine andere Thematik ist, dass ich nicht zwangsläufig auf dem Cover erwähnt werden muss. Eine reine gegenseitige Leistung ist auch passend, es muss nicht immer krampfhaft alles und jeder auf einen Nenner kommen. Von diesem Gedankengang abgesehen gibt es halt auch Songs, mit denen ich mich mehr identifiziere als bei manch anderen. Und zu guter Letzt das Wichtigste: ich bin glücklich darüber als Producer nicht dieses Bühnenimage tragen zu müssen und die Künstler, die eine Maske zur Tarnung tragen kann ich verstehen, für einige produziere ich auch. Wenn es die Branche nicht zulassen würde, wäre eine Überwindung sogar möglich, doch so ist alles easy.

6. Welches Thema der Selbstständigkeit besprichts du am wenigstens mit deinem engen Umfeld? Finanzen, Erfolge, Ziele oder Mindset? Oder vielleicht ein ganz anderes Thema?

Ich berede mit einem engen Umfeld alles und tausche mich zu allen Themen aus. Eine klare Differenzierung lege ich nicht an den Tag, vielleicht kommt es mal vor, dass ich mit dem ein oder anderen über eine Thematik mehr spreche. Mein Vater hingegen ist die Person die absolut alles weiß über meine Musik und dementsprechend tausche ich mich mit ihm ständig aus.

7. Definierst du eine Zielgruppe für deine Kunst?

Der Zielort und die Situation sind für mich viel entscheidender. Der Song soll in den passenden Situationen funktionieren. Ein Radio-Song wäre was besonderes und DJ-Sets in Clubs oder auf Festivals sind Zielorte, die ich anpeile.

8. Die Selbstständigkeit als Producer bedeutet oft, dass das Umfeld sich entweder dir anpasst oder ähnlich wie du arbeitet. Erwischst du dich dabei dein Umfeld deiner Arbeitsweise anzupassen oder handelst du da sehr frei?

Ich kommuniziere das ganz einfach mit allen in meinem Umfeld und wenn ich eine Session plane bis zu einer festgelegten Uhrzeit und es länger dauern sollte, dann sag ich meinen Freunden, dass es später wird. Grundsätzlich sehe ich mich aber eher in dem Freihandeln, also lege ich meine Priorität und Fokus eher auf das producen als es irgendwem recht zu machen für das Abhängen. Du bist nicht der bessere Freund, wenn du 4 Mal die Woche Zeit hast.

9. Gab es einen festen Zeitpunkt, ab dem dein Business begonnen hat (kein Datum, sondern eher Lebensphase, Ereignis o.ä.)?

War es ein bewusster Übergang? 2015 habe ich noch Hip-Hop Beats produziert und nach meinem Abitur, also im Studium habe ich intensiv angefangen. Als die goldene Platte kam mit meinem ersten Release, hat sich das schon sehr krass angefühlt. Und seitdem ist kein Tag vergangen, an dem ich mich nicht mit Musik beschäftigt habe.

10. Meine Klassiker-Frage: Hat Rente eine Hook, ‘ne Clap und ein Rhythmus? Zukunftsplanung!?

Einen Plan B habe ich nicht. Aktuell sehe ich mich langfristig in der Musik.

11. Was bedeutet für dich Erfolg?

Wenn ein Song läuft und die Menschen deine Musik feiern.

12. Was ist für dich der Preis der Selbstständigkeit?

Ein viel kleineres privates Umfeld, anderer Tagesablauf, ganz andere finanzielle Situation und Disziplin. Es ist nicht einfach vorausschauend zu planen bzw. das Leben in der Zukunft einfacher zu planen. Zudem hat sich mein familiäres Umfeld geändert aufgrund meines Werdegangs, aber der Support meines Vaters stützt meine Leidenschaft schon sehr stark.

13. Was hältst du von der Bewegung der Beat Unit?

Die Bewegung und der Grundgedanke sind sehr nice, aber die Community besteht zu 99 % aus Hip-Hop Producer (lach). Es ist alles sehr fördernd und der Austausch ist sehr hilfreich.

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