Contrabeatz – Der Preis der Selbstständigkeit

Contrabeatz ist ohne Zweifel ein Produzent mit Herz und Leidenschaft. In seinen Beats stecken Seele und Perfektionismus. Das kann jeder hören, der sich mit seinen Werken beschäftigt und genau hinhört.
Er konnte bisher einige krasse Produktionen veröffentlichen, wie zum Beispiel seine Zusammenarbeit mit dem Künstler Clep oder seine Placements bei Said, Bangs(AOB), Ulysse und Kulturerbe Achim. Sicher ist, dass sich Contrabeatz in Zukunft noch einen Namen verschaffen wird und jeder zu hören bekommen wird, was in seinem Studio entsteht.  



Wir wünschen dir für die kommende Zeit viel Erfolg und nur das Beste! Danke, dass du dir für unsere Reihe “Der Preis der Selbstständigkeit” Zeit nimmst und unsere Fragen beantwortest!

 

Lieber Contrabeatz,
wie und wann hat für dich die Leidenschaft zur Musik und zum Produzieren begonnen? 

Ich bin schon im Kindesalter durch meinen Vater mit Musik in Kontakt gekommen. Er besaß eine üppige Plattensammlung (von Pink Floyd bis Black Sabbath war alles dabei) und einige Perkussionsinstrumente. Als er mir meinen ersten CD Spieler schenkte, bekam ich zusätzlich eine Sampler-CD dazu. Die zwei HipHop Lieder, die darauf vertreten waren, haben mich am meisten interessiert. In meiner Jugend nahm ich dann ca. fünf Jahre Klavier- und Keyboardunterricht. Ich war aber, zum Leidwesen meiner Lehrer, eher unmotiviert, klassische Stücke zu lernen. Lieber verbrachte ich die Zeit damit, eigene Melodien zu spielen. In der Mittelstufe wechselte ich zum Schlagzeugunterricht. Auch hier orientierte ich mich eher an eigenen Rhythmen. Parallel dazu hatte ich zum Geburtstag meinen ersten Computer (einen alten Atari mit Diskettenlaufwerk) und ein Keyboard geschenkt bekommen. Ich nahm erste Stücke auf alte Bob Marley Tapes auf. Nachdem ich bei einer Anti-Irakkrieg-Demo in Kiel den Rapper Max Bar kennengelernt habe, gründeten wir beide die Crew Keine Halben Sachen (kurz KHS). Wir nahmen unsere erste Studio-CD auf und sammelten ein paar Erfahrungen auf kleineren Bühnen. Mit der Zeit veränderte sich der musikalische Geschmack und es folgte die Trennung. Zeitgleich gründete ich mit Paul Prime die DJ-Crew Good Sound Society und wir legten als Duo in mehreren Kieler Clubs auf. Nach dem Abitur und vier Semestern Studium der Kunstgeschichte/Musikwissenschaften bekam ich einen Studienplatz in Wiesbaden und begann, Kommunikationsdesign zu studieren. Es folgte die Auflösung der Crew. In Wiesbaden feilte ich weiter an meinen Beats (mittlerweile mit besserem Equipment) und hielt Kontakt zur norddeutschen Rapszene.

Nach meinem Bachelor zog ich der Liebe und der beruflichen Chancen wegen nach Berlin. Dort angekommen, suchte ich den Kontakt zur hiesigen Szene. 

Welche Genres und insbesondere Künstler hörst du privat gerne und wo nimmst du deine Inspiration für deine eigenen Kreationen her?

 

Ich höre generell sehr viel unterschiedliche Musik. Das liegt zum einen daran, dass Musik mich schon immer fasziniert hat und zum anderen daran, dass ich früh mit dem Samplen alter Lieder begonnen habe (klassisch mit Vinyl). Mich haben damals DJ Premier, Alchemist und Madlib inspiriert. Mittlerweile orientiere ich mich eher an aktuellen Produzenten wie ! llmind, Decap, Farhot, Bazzazian etc. Ich habe mich auch eine Zeit lang viel mit TDE (Kendrick Lamar, Schoolboy Q, Ab-Soul & Jay Rock) beschäftigt. Auch ASAP Mob, Flatbush Zombies und The Underachievers beeinflussen meinen Sound. Im Grunde genommen versuche ich alle Oldschool Einflüsse mit neuen Eindrücken zu verbinden und somit etwas eigenes zu schaffen. !llmind hatte dafür einen passenden Begriff: Boomtrap. Sich nur einem Soundbild zu widmen, finde ich ermüdend und langweilig.

Du hast dich durch einige Produktionen nun schon in der Szene etablieren können und viele Releases gefeiert. Welches Setting braucht eine produktive Session mit einem Künstler für dich, damit ihr am besten arbeiten könnt? Gibt es da ein Rezept oder einen Leitfaden für unerfahrene Produzenten, die vor ihren ersten Recordings stehen?

Erst einmal muss die Chemie stimmen. Ich arbeite nicht mit Leuten zusammen, die mir unsympathisch sind. Des Weiteren muss ich im Interpreten etwas finden, das sich ausbauen lässt. Da ich neben der Musik auch als Markengestalter arbeite, habe ich dort für die musikalische Zusammenarbeit einiges übernommen. Ein Künstler ist eine Marke. Je mehr der Sound und die visuelle Sprache zusammenpassen, desto eher wird ein Interpret greifbarer für den Hörer. Bei erfahrenen Rappern, die schon ihr Alleinstellungsmerkmal gefunden haben, ist die Zusammenarbeit einfacher, gleichzeitig aber auch fordernder. Hier ist es für mich wichtig, dass beide an der Zusammenarbeit wachsen bzw. sich der Sound am Ende optimal ergänzt. Ich kann jedem Nachwuchsproduzenten empfehlen, sich ein kreatives Umfeld zu suchen und das eigene Gehör und Empfinden für Ästhetik zu schulen. Das fängt schon dabei an, seinen eigenen Geschmack zu hinterfragen. Wenn die Rapper im Umfeld Merkmale aufzeigen, die interessant sind, sollte man diese Signale dann als Produzent wahrnehmen, nutzen und sich musikalisch einklinken. Wichtig ist am Ende: der Rapper profitiert immer von guten Instrumentals, das ist quasi der Klangteppich als Maßanzug. Gut funktionierende Beispiele sind OG Keemo & Funkvater Frank oder Haftbefehl & Bazazzian. 

Wann hast du persönlich von Master Rights erfahren und wie stehst du selbst für deine eigenen ein?

 

Da ich schon in den frühen Anfängen meiner Musikkarriere negative Erfahrungen mit einem Verlag machen musste, habe ich mich zwangsläufig mit dem Thema auseinandersetzen müssen. Bei allen Produktionen kläre ich im Vornherein die Formalitäten mit den Beteiligten. Ich bin mit kurzer Unterbrechung seit meinen Anfängen bei der GEMA und alle Werke werden mit vereinbarten Anteilen angemeldet. Wichtig ist: Mit offenen Karten spielen und transparent kommunizieren, sonst gibt es am Ende immer böses Blut. 

Du hast bereits erfolgreich bei einigen Beat Battles teilgenommen. Wie war dort die Resonanz als Produzent für dich und was hast du für deine Zeit danach im Studio lernen können?

Es war eine tolle Erfahrung, ein Publikum ohne einen Rapper im Vordergrund zum Abgehen zu animieren. Zwar war ich das schon von meiner Tätigkeit als DJ gewohnt, aber in diesem Falle ist das Blickfeld des Publikums konzentrierter. Du wirst mehr begutachtet und unter die Lupe genommen. Wenn beim Auflegen die Nadel springt, kann man die Situation mit ein paar Handgriffen schnell in den Griff bekommen. Wenn der Beat allerdings nicht bounced oder der Drop nicht wie erwartet das Publikum zum Moshpit animiert, kriegt man sofort die Quittung. Zum Glück hatte ich eine recht ausgewogene Mischung an Beats dabei, die allesamt nach vorne gingen. Das antrainierte Selbstvertrauen war das Salz in der Suppe. Somit war es für mich nicht so tragisch, dass ich nur auf Platz vier gelandet bin. Mein Ansporn für die Zeit danach war es, noch fettere Beats zu basteln und noch mehr auszuprobieren. Die große Kunst ist es, einen Beat ausgewogen zu produzieren, so dass jedes Element (Drums, Bass, Melodie etc.) seinen Platz findet. Wenn die richtigen EQs, Kompressoren und Limiter den Sound abschleifen, entsteht ein Beat, der im Gedächtnis bleibt.

Hat ein Produzent deiner Meinung nach heutzutage den Stellenwert in der Szene, den er verdient?

 

Wir sind auf einem guten Wege dorthin. Immer mehr Produzenten machen sich im Musikbusiness einen Namen und Rapper brüsten sich mit Producer Tags. Ich finde diese Entwicklung sehr gut und wichtig. Es bringt keinem Produzenten etwas, wenn er sich hinter dem glamourösen Antlitz eines Rappers versteckt und Fließband Type-Beats produziert. Jeder Produzent sollte seinen Sound so perfektionieren, dass Rapper mit diesem Sound hausieren gehen, ohne dabei den Produzenten zu ignorieren. Leider gibt es in Amerika (aber wahrscheinlich auch in anderen Ländern) immer noch das Phänomen, dass Musikvideos von hochrangingen Rappern online gestellt werden, ohne den Produzenten namentlich zu erwähnen. Frei nach dem Motto: Bloß keinen Ruhm abgeben. 

Die Option aufzugeben gibt es bekanntlich nicht!
Was ist dein täglicher Antrieb dafür, weiterzumachen und den Glauben an deine Arbeit zu behalten? 

Ich kann nicht aufhören. Wenn ich mich nicht kreativ entfalten kann, gehe ich ein. So war ich schon immer. Zusätzlich habe ich den Ansporn, immer besser zu werden. Ich schaue mir Tutorials bei YouTube an, analysiere wie andere Musiker ihre Songs angehen und beschäftige mich mit meinem musikalischen Fingerabdruck. Ich kann mir einen gut komponierten Beat stundenlang in Dauerschleife anhören, ohne dass mir langweilig wird. Wenn ein Beat so etwas schafft, weiß ich, wofür ich stundenlang vor dem Computer sitze. 

Hast du genaue Pläne für die Zukunft und bestimmte, selbst gesteckte Ziele, die es noch zu erreichen gilt? Wie sehen deine nächsten Projekte aus?

Ich arbeite gerade an diversen Projekten zeitgleich. Über einige kann ich leider noch nicht sprechen. Wer mich aber bei Instagram verfolgt, kann erraten, was noch in der Pipeline liegt. Mittlerweile komme ich mit dem Produzieren von neuen Beats kaum hinterher. Je mehr man im Fokus von Rappern ist, desto schwieriger wird es, alles unter einen Hut zu bekommen. In der Regel versuche ich pro Tag mindestens einen Beat zu bauen. So sind seit meinem ersten Beat mittlerweile über 10.000 Beatskizzen entstanden. Logischerweise schafft es nicht jede Skizze zu einem fertigen Song zu werden. Mein persönliches Ziel ist es, in Zukunft Projekte mit inspirierenden Musikern zu verwirklichen und mich in der Musiklandschaft mit meinem Sound zu platzieren. Ich möchte, dass die Ergebnisse für sich sprechen und ein Signature-Sound erkennbar ist. 

Hast du ein Management oder regelst du deine Angelegenheiten und Rechte selbst? ab welchem Zeitpunkt lohnt es sich, professionelle Hilfe zu holen? 

Momentan regel ich meine Projekte selbst. Ich hatte jedoch schon Managementanfragen. Bis dato habe ich alles alleine geschafft. Ich denke, dass in manchen Situationen ein Manager hilfreich sein könnte. Spätestens wenn man den Überblick verliert oder man mit Künstlern zusammenarbeiten möchte, zu denen man keinen Kontakt aufbauen kann ohne wie ein Fanboy Nachrichten zu verschicken. Ich sende auch ungern Beats an Email Sammeladressen von Rappern. Da landet man automatisch in einem Pool und es beginnt das Cherry Picking. Für solche Zwecke ist ein Manager mit Kontakten hilfreich. 

Du bist stets korrekt und loyal gegenüber deinen Mitmenschen. Fällt dir das in der Musikszene schwer oder hast du in der Hinsicht bisher glücklicherweise nur positive Erfahrungen machen dürfen?

Bis jetzt habe ich vorrangig positive Erfahrungen gesammelt, was die Zusammenarbeit und das Zwischenmenschliche betrifft. Natürlich bekommt man hinter den Kulissen einiges mit, das einen entmutigen könnte. So lange man nicht blauäugig und unbedarft durch die Musikszene stolpert und eine gesunde Menschenkenntnis besitzt, kann man problemlos Musik machen und connecten. Wichtig ist das Bauchgefühl. Wenn mir etwas nicht behagt, distanziere ich mich und sehe von einer Zusammenarbeit ab. Loyalität, auch wenn der Begriff von Kontra K etwas überstrapaziert wurde, ist eine wichtige Charaktereigenschaft und zeigt, ob man dir vertrauen kann. Auf Vertrauen kann man aufbauen. Es ist ein positiver Nährboden für Kreativität und Zwischenmenschlichkeit.


Lieber Contrabeatz! Danke, dass du dir Zeit für die Beat Unit genommen hast!
Eine letzte Frage haben wir noch:
Als Gründungsmitglied unterstützt du die Community seit dem ersten Tag. Was bedeutet dir die Beat Unit und wo siehst du die Chancen, sich als Produzent in einer Gemeinschaft zu verbinden?

Die Beat Unit ist eine Chance für alle Produzenten, sich zu vernetzen und sich auszutauschen. Ich finde es gut, dass somit eine theoretisch weltweite Vernetzung zwischen Produzenten stattfindet. Im Gegensatz zu Rappern sind Produzenten auch nicht vorurteilsbehaftet was ihre Artgenossen betrifft. Rapper hingegen haben häufiger ein ausgeprägteres Konkurrenzverhalten und igeln sich in ihren Crews ein, statt zu kollaborieren. Die Beat Unit ist also eine Partnerbörse und Spielwiese für ambitionierte Produzenten. Sie stärkt das Selbstbewusstsein der Produzenten und wappnet sie vor den Grausamkeiten der Musikindustrie. Quasi wie ein großer Bruder. 

Das bedeutet, du würdest jungen Produzenten empfehlen der Beat Unit beizutreten?

Ja, das würde ich!

Autor: Flavio Cefola 

https://www.instagram.com/contrabeatz/

 

1 Kommentar zu „Contrabeatz – Der Preis der Selbstständigkeit“

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