DER PREIS DER SELBSTÄNDIGKEIT – INTRO

Der Preis der Selbstständigkeit 

 

Du bist frisch in der Szene, produzierst Musik, bist motiviert und möchtest es unbedingt schaffen, deinen Traum zu leben. Die Definition deines Traumes solltest du immer nah bei dir tragen – du wirst auf viele Proben gestellt werden, die dich daran zweifeln lassen, ob du auf dem richtigen Weg bist. Als Musiker / Produzent bist du sehr stark von deinen Emotionen abhängig und diese solltest du um jeden Preis schützen, um nachhaltig positiv zu bleiben. Es geht schneller als du denkst, dass du in einem Meeting Geschäftsleuten gegenüber sitzt, die es nicht zwingend interessiert, dass du viele Emotionen in dir trägst und Musik über alles liebst. Es ist kalt und du frierst, wenn dir klar wird, dass es hier um Business geht und nicht um die Musik. Auf deiner Reise als Selbstständiger muss dir eines bewusst werden – ohne Kommunikation geht gar nichts. Ruhst du dich darauf aus, dass du großartige Musik schaffst und du dir selbst nicht eingestehen kannst, dass reale Kommunikation nicht deine Stärke ist, dann solltest du damit anfangen Schaffst du es nicht, deine Gedanken klar und deutlich zu kommunizieren, dann fang damit an. Als Produzent/in trägst du eine große Verantwortung. Kommuniziere das – du bist kein Beatschrauber, der aus Zufall einen unglaublichen Song geschaffen hat. Leute nehmen dich ernst, wenn du ihnen in drei Sätzen klar und deutlich erklären kannst, wer du bist, was du vorhast, wie du dein Vorhaben umsetzen möchtest und welche Aussichten deine Unternehmung hat. Wenn du denkst, kein Geschäftsmann sein zu müssen, weil du ein Kreativer/Musikschaffender bist, dann hast du etwas falsch verstanden. Selbstständig zu sein heißt, dass keiner für dich verhandelt und keiner dich in Schutz nimmt. Als angehende/r selbstständige/r Produzent/in gehört es dazu, ein geschickter Geschäftsmann zu sein. Geschäftspartner, Kunden oder externe Auftraggeber können keine Gedanken lesen und wenn du vorankommen möchtest, solltest du deine Interessen wunderbar kommunizieren können und zwar so, dass es dir schon fast zu penibel vorkommt. Je tiefer du diese Kunst beherrscht, desto klarer wird dem, der dir Gegenüber sitzt. dass du dir wirklich Gedanken gemacht hast und dein Vorhaben Hand und Fuß hat. Die Person ist bereit dazu, dir zu helfen und dich zu unterstützen. Werde dir darüber bewusst, was du verkaufst und warum derjenige dein Produkt unbedingt braucht. Wenn du der Meinung bist, dass du das hin bekommst und von nun an daran arbeiten wirst, deine Visionen besser kommunizieren zu können, dann bist du auf einem sehr guten Weg. Nun kommen wir zu einem weiteren Aspekt der Selbstständigkeit mit dem Grundsatz: “Handle nicht bedürftig, auch wenn du es bist.” Im Laufe der Selbstständigkeit in der Musikszene wirst du folgendes feststellen: Keiner hat Geldsorgen, es geht allen gut und keiner beschwert sich darüber, dass er die Künstlersozialkasse oder die Miete nicht mehr begleichen kann. Um Bedürftigkeit zu verstehen, musst du dich fragen, was es heißt, bedürftig zu sein – in erster Linie heißt es, dass du dich davor fürchtest, nicht über die Runden zu kommen und du  dermaßen auf deinen nächsten Job angewiesen bist, dass du dafür zusätzlich dein letztes Hemd geben würdest. Als Produzent in der Musikbranche musst du dich in Geduld üben. Angenommen, du machst eine Session mit einem bekannten Künstler und das Ergebnis soll als Track auf dem Album veröffentlicht werden, das erst in einem Jahr erscheint. Nun heißt es, nicht voreilig zu handeln und das Geld nicht vorab anzufordern. Es ist eher üblich, dass das Geld erst kurz vor der Veröffentlichung des Release vergütet wird. Es gibt viele selbständige Produzenten, die leider ständig unter dem Druck leben, ihren Zahlungen nicht nachkommen zu können. Doch wie können wir es schaffen, deswegen nicht bedürftig wahrgenommen zu werden? Es ist eine Art instinktives Talent, dass Menschen Bedürftigkeit förmlich spüren können und sich daraufhin eher distanzieren. Vergleichen wir das mit einem/r jungen Produzent/in, der ein Verlagsgespräch hat. Die Augen strahlen, die Motivation ist hoch und der Produzent sagt überspitzt  folgendes: 

“Ich habe immer Zeit, egal ob Tag oder Nacht. Ich bin immer einsatzfähig und arbeite 24 Stunden am Tag. Sendet mir alle Künstler, die ihr habt und ich mache Hits daraus. 

Das bedeutet für den Verlag im Klartext, dass du dich an jede Chance klammerst und keine klaren Prinzipien und Vorstellung deiner Wertigkeit besitzt. Darüber hinaus machst du dich jederzeit verfügbar, was deinen Wert mindert, denn so scheint es, als hättest du keine anderen Projekte, die deine Zeit in Anspruch nehmen. Des Weiteren machst du unwirkliche Versprechen, weshalb dein Vorhaben nicht als professionell eingestuft wird. Es gibt Momente, an denen es angebracht ist, offen zu kommunizieren – der Produzent hingegen hat aufgrund seiner übermotivierten Worte im Meeting eher abgeschreckt. Was können wir daraus mitnehmen ? 

Ein wichtiger Grundsatz ist es, viel Zeit zu haben – Werde  nicht ungeduldig, sprich deutlich und mache dir stets bewusst, dass du nicht auf jeden Auftrag angewiesen bist – sondern denke weiter. In Meetings ist es nicht angebracht, über Geldsorgen zu sprechen. Auch in Gesprächen mit Investoren ist es von Vorteil, genügend Zeit einzuplanen – es ist besser, wenn du kommunizierst, dass du acht Monate sichere Rücklagen hast und ab dann darüber nachdenkst, einen Kredit anzunehmen. So kann ein Gespräch starten und du bildest ein Fundament. Ein emphatischer Mensch versteht nicht nur seine Gefühle, sondern auch die des Gegenübers und handelt erfolgreich, weil er gelernt hat, Business & Privates klar zu trennen. Dir wäre es auch unangenehm, wenn sich dein Gegenüber bei dir in einem geschäftlichen Rahmen über seine Sorgen oder Probleme  auslässt. Als selbstständiger Produzent auf dem Markt musst gerade du dich mit deinen Rechten als Produzent auseinander setzen. Ein Konflikt in vielen kreativen Köpfen ist das Verständnis des rechtlichen Teils in ihrem Business, obwohl gerade das erst die Standfestigkeit des selbstständigen Produzenten untermauert. Der Preis der Selbstständigkeit ist es, sich nicht nur mit Themen auseinanderzusetzen, die die musikalische Entwicklung betreffen, sondern auch mit Themen, die du für deine Selbstständige Tätigkeit wissen solltest. Darüber hinaus wirst du bei dem Aufbau deiner Unternehmung als Selbstständiger viel mit Papierkram und ähnlichen Verpflichtungen konfrontiert. In der Selbstständigkeit fängst du an zu kooperieren und mit Leuten über deine Visionen zu sprechen und dich generell mehr austauschen zu müssen, um weiter zu kommen. 

Solltest du nach einiger Zeit spüren, dass deine Musik keine Seele hat wenn du deine Dienstleistung fremden Leuten anbietest, dann könntest du darüber nachdenken, Musik als Hobby zu machen. Wir müssen uns bewusst machen, dass Musik auf einem professionellen Level nicht nur ein spaßiger Zeitvertreib, sondern eine wahrhaftige Dienstleistung ist, die anständig vergütet werden sollte. Mit dem Musikproduzentenverband setzt die Beat Unit ein Zeichen, dass sich Produzenten fortbilden und sich mit ihren Rechten auseinandersetzen. Der Preis der Selbstständigkeit ist es, fit zu bleiben, die Augen offen zu halten und sich tiefergehend mit der eigenen Berufung auseinander zu setzen ohne dabei das Herz der Musik aus den Augen zu verlieren.  

 

Autor: Sinan Bombeiter

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