GEMA – Grundlagen & Schutzschirm


Der Corona- Schutzschirm der GEMA

Wenn du von deiner Musik leben und  bezahlte Studio-Aufnahmen abgesagt wurden, hat sich die GEMA für Musikerinnen und Musiker etwas einfallen lassen: Sie schenken dir zwar nichts, aber sie geben dir, nach eingehender Prüfung, einen Vorschuss, und zwar einmalig für das ganze Jahr 2020. Du bekommst dann zwar den Rest des Jahres nichts, bist aber jetzt, in der Zeit wo es darauf ankommt, flüssig.

Bedingungen:

  • Du bist GEMA-Urheber*in, also Komponist*in oder Textdichter*in.
  • Antragsberechtigt bist du, wenn du im Geschäftsjahr 2018 Gesamtausschüttungen zwischen 100 Euro netto und 30.000 Euro netto erhalten hast. Von diesem Aufkommen müssen mindestens 50 % auf das Gesamtaufkommen des Mitglieds in folgenden Sparten und Segmenten entfallen sein:
    • Sparte U (Unterhaltungsmusik): Inkassosegmente 1-9
    • Sparte E (ernste/klassische Musik)
    • Sparte BM (Bühnenmusik, also Konzerte)
  • Wenn das alles auf dich zutrifft, kannst du die Vorauszahlung beantragen. Die Höhe deiner Vorauszahlung beträgt grundsätzlich 100% der Ausschüttungssumme, die du in 2018 erhalten hast, doch mindestens 300 Euro netto. Dein Betrag wird von der GEMA automatisch berechnet und über das GEMA Online Portal angezeigt.
  • Deine Antragsstellung ist ausschließlich über das GEMA Onlineportal für Mitglieder auf der GEMA-Website möglich. Habt ihr den Antrag erfolgreich ausgefüllt, müsst ihr ihn an folgende Mailadresse verschicken: coronamitgliederhilfe@gema.de
  • Falls du noch keinen Account für das GEMA Onlineportal hast, kannst du dich hier registrieren. Du musst dich einfach einloggen, das Freischaltungsformular ausfüllen und es als PDF-Anhang an mitgliederservice@gema.de, Betreff: Schutzschirm Live. Du erhältst dann eine E-Mail.
  • Wie lange es dauert, bis das Geld auf deinem Konto landen wird, ist nicht ganz klar. Die Mitarbeiter*innen der GEMA versichern aber, dass der Corona Schutzschirm Live oberste Priorität hat und sehr schnell bezahlt werden soll.
  • Dieser Vorschuss hat keinerlei Auswirkungen auf andere Förderungen oder Hilfspakete z. B. vom IBB, da es sich hier um keine Schenkung, sondern lediglich um ein Vorschuss handelt.

Ab wann kannst du als Musiker*in Mitglied bei der GEMA werden?

Ganz vereinfacht gesagt – sobald du Urheber*in eines Songs bist. Dabei ist es egal, ob du Komponist*in oder Textdichter*in eines Songs bist. Hast du bei beidem mitgewirkt? Umso besser, dann gibt es nämlich auch mehr Kohle. Text und Komposition werden in der Autorengesellschaft GEMA noch mal getrennt aufgeteilt. Für die Komposition ist der Punkteschlüssel höher angesetzt.

Bist du allerdings ein reiner Interpret, ist die GEMA nicht die richtige Anlaufstelle, sondern die GVL. Du kannst dich auch nicht als gesamte Band bei der GEMA anmelden, sondern immer nur als Einzelperson.

Spätestens ab dem Moment, wenn du gute Streamingzahlen auf Spotify und Co. hast, deine Videos auf YouTube häufig angeklickt werden oder vielleicht sogar mal ein Song von dir im Radio gespielt wurde, wird es höchste Zeit, dich bei der GEMA (oder einer anderen Institution) anzumelden.

Innerhalb der GEMA gibt es drei mögliche Mitglieder-Stati. Dein anfänglicher Status nennt sich „Angeschlossenes Mitglied“. Du kannst in dieser Position super als Urheber*in auskommen. Auch für immer – wenn du willst. Willst du allerdings selber mitreden, nicht von Delegierten im Mitgliedervorstand vertreten werden und andere Vorteile, wie Altersrente und Sozialkassenzuschuss beziehen, musst du über ein „Außerordentliches Mitglied“ zum „Ordentlichen Mitglied“ werden. Puh. Klingt kompliziert. Ist es auch. Aber darüber kannst du dir Gedanken machen, wenn du die ersten fünf Jahre in der GEMA als Mitglied „überstanden“ hast.

Was brauchst du als Musiker*in für eine Anmeldung bei der GEMA?

Die schlechte Nachricht zuerst. Du brauchst Kohle. Als Urheber*in musst du eine einmalige Aufnahmegebühr von 90 Euro an die GEMA zahlen. Hinzu kommt eine jährliche Verwaltungsgebühr von 50 Euro. Nach einem einfachen Aufnahmeantrag (Name, Kontoverbindung, Synonym etc.) bist du automatisch „Angeschlossenes Mitglied“ für mindestens 1 Jahr. Der Vertrag läuft allerdings automatisch weiter, es sei denn du kündigst bis zu einem halben Jahr vor Ablauf der Frist. Wenn dein Vertrag vollständig ist, bekommst du einen Bestätigungsvertrag und dann kannst du auch schon loslegen.

Die gute Nachricht: 2020 hat die GEMA die Anmeldegebühr für alle zukünftigen Urheber*innen ausgesetzt. Sprich, ihr kommt umsonst rein – Bedingung dafür ist, dass du im Jahr 1990 und aufwärts geboren wurdest. Und die GEMA hat auch danach noch die Spendierhosen an. Statt der üblichen jährlichen Verwaltungsgebühr von 50 Euro, musst du für die kommenden zwei Jahre nur 30 Euro pro Jahr an Verwaltungsgebühr bezahlen. Na, wenn das nichts ist.

Lohnt sich das mit den Vergütungen und Pauschalen?

Hast du 2019 etwas veröffentlicht, kassierst du im Folgejahr. Kommt eben nur darauf an wie viel. Es finden sechs Ausschüttungen jährlich bei der GEMA statt. Jedes Mal bekommst du für etwas anderes Tantiemen. Hier findest du die Verteilungstermine.

Für die Auszahlung der GEMA wurde ein Punktesystem etabliert, das in einer jährlichen Mitgliederversammlung neu verhandelt wird. Für dich als „Angeschlossenes Mitglied“ wahren insgesamt 57 Delegierte (auch jährlich neu gewählt) deine Rechte als Urheber*in. Es ist überaus schwer, den genauen Euro-Anteil herauszubekommen, da es so viele unterschiedliche Tarife und Abrechnungsverfahren gibt. Zusätzlich gibt es für Musiker*innen bei der GEMA noch mal einen Unterschied zwischen „ernster Musik“ (E-Musik) und „Unterhaltungsmusik“ (U-Musik). Ein Musikstück, das zur Popmusik mit normaler Spieldauer gehört, erhält weniger Punkte als ein Musikstück, dass durch ein Orchester vertont wurde und länger als 60 Minuten dauert.

Ein paar Beispiele gefällig? (Stand 2014 – mit Sicherheit heute höher)

  • Wird ein Pop-Stück bei einem Radiosender der ARD (öffentlich rechtlich) gespielt, fallen einmalig rund 15 Euro Tantiemen   an. Davon bekommt der/die Komponist*in 6,25 Euro, der/die Texter*in 3,75 Euro und der Verlag 5 Euro.
  • Bei einer Live-Aufführung eines Popsongs bekommt der/die Komponist*in 1,97 Euro, der/die Texter*in 1,18 Euro und der Verlag 1,34 Euro.
  • Beim nächsten Beispiel klingelt richtig die Kasse. Spielst du deinen Song live im TV bei einem öffentlich rechtlichen Sender (ARD, ZDF), bringt das rund 430 Euro an Tantiemen.
  • In der Klassik kann der Abrechnungsbetrag stark schwanken. Für ein 15-minütiges Streichquartett etwa würde der/die Komponist*in rund 57 Euro bekommen und der Verlag 28 Euro.
  • Es gehen aber auch viele Millionen an ausländische Rechteinhaber*innen und weitere weit über 100 Millionen an Verwertungsgesellschaften wie die VG Wort und die GVL, die zum Beispiel Sänger*innen vertritt. Über 40 Millionen Euro fließen pro Jahr in soziale und kulturelle Zwecke wie die Gema-Altersvorsorge und die GEMA-Stiftung.
  • 15 % der Tantiemen/Einnahmen gehen für den Verwaltungsapparat der GEMA drauf.

Okay, aber was sind Tantiemen?

Als Tantieme werden auflagenabhängigen Einkünfte von Buchautor*innen, Musikkomponist*innen und Designer*innen bezeichnet. Die Beteiligung von Autor*innen am Erlös der Aufführung ihrer Werke wird ebenfalls Tantieme genannt.

Was kassiert die GEMA?

Radio- und TV-Sender zahlen pauschal nach ihren Einnahmen und dem Musikanteil im Programm. Ein „Pop-Sender“ mit einem sehr hohen Musikanteil von 80 bis 90 % muss über 7 % ihrer Einnahmen an die GEMA entrichten. Ein Nachrichtensender mit einem sehr geringen Musikanteil von bis zu 10 % gibt nur 0,8 % der Einnahmen an die GEMA ab. Während die kleinsten Radiostationen also nur rund 40 Cent pro Minute Musik bezahlen, kann ein bundesweit gespielter Song in einer TV-Musikshow minütlich bis zu 120 Euro kosten.

  • Bei Clubs richten sich die Tarife nach Fläche und den Veranstaltungstagen im Monat. Außerdem wird zwischen der Wiedergabe von Originaltonträgern und vervielfältigten Tonträgern unterschieden.
  • Bei Live-Musik-Veranstaltungen richten sich die Gebühren nach Eintrittsgeld und Größe des Raumes.
  • Auch das Internet zahlt seinen festen Tarif, wie Spotify und Co. Seit 2016 zahlt auch YouTube nach einem jahrelangen Rechtsstreit endlich Gelder an die Urheber*innen aus.

Workshops, Förderungen, die GEMA-Stiftung – was leistet die GEMA noch für Musiker*innen?

Auf der Internetseite der GEMA gibt es viele Workshops für Kreative. Zum Beispiel hier.

Es ist eine gute Plattform, um den Austausch mit anderen Musiker*innen zu starten. Unter dem Dach der GEMA-Stiftung gibt es auch eine Reihe an Förderungen. Sie unterstützt bedürftige Komponist*innen, Textdichter*innen und Musikverleger*innen und deren Angehörige. Sie fördert Komponist*innen und Textdichter*innen durch zweckgebundene Ausbildungsbeihilfen, Zuwendungen für musikalische Produktionen, Pilotprojekte, Wettbewerbe und Publikationen sowie durch die Verleihung von Preisen und durch Forschungsvorhaben mit besonderem Bezug auf die zeitgenössische Musik. Die Stiftungsmittel sind Erträge aus dem durch Zustiftungen erwachsenen Stiftungsvermögen sowie aus freiwilligen Zuwendungen. Jeder kann sich bewerben.

Urheberrecht- Was tut die GEMA für die Musikerinnen und Musiker?

Das Urheberrecht schafft einen besonderen Schutz für dich als Urheber*in und deine Werke. Denn das Urheberrecht legt fest, dass der/die Urheber*in eines Werkes über die Verwertung und Veröffentlichung dessen entscheiden kann. Er kann anderen die Nutzung erlauben und ihnen die Nutzungsrechte erteilen. Die GEMA setzt dies für Urheber*innen durch.

Denn die GEMA ist mit ihrem Engagement auf der Seite der Musiker*innen, also auf deiner. Es gibt unter Künstler*innen diesen einen geflügelten Satz: „Wer schreibt der bleibt!“ und das liegt vor allem an der GEMA und ihrer Arbeit. Sie sorgt dafür, dass überall, wo dein Song in Erscheinung getreten ist, auch vergütet wird. Sie sind deine persönlichen Geldeintreiber. Die GEMA hilft Urheber*innen, also auch dir, dabei, deine Verwertungsrechte zu nutzen, die du allein schwer wahrnehmen und nachweisen kannst.

Stell dir mal vor, Metallica müsste selber ihr Geld eintreiben, wenn sie nachts in irgendeinem Club in Ulm gespielt werden würden. Das klappt wahrscheinlich nur so semi-gut. Darum lässt Metallica zum Beispiel im Gegenzug ihre Urheberrechte von der GEMA verwalten. Diese abgetretenen Verwertungsrechte werden dann zu Nutzungsrechten, um die sich die GEMA kümmert. Dann klärt die GEMA das mit dem Club in Ulm. Versäumt ein Veranstalter, die Daten zur GEMA zu schicken, kann es teuer werden.


Zum Ende: Ein paar Hard Facts.

    • 1915 Gründung der GEMA, Hauptsitz ist Berlin
    • Etwas über 1.100 Mitarbeiter
    • Sie betreut über 73.000 Mitglieder in Deutschland
    • Ihre Mitglieder sind Komponisten, Textdichter und Musikverleger
    • 87% davon sind Komponisten und Textdichter, 6% sind Verleger und Rechtsnachfolger (Erben)
    • Weltweit hat sie über zwei Millionen Rechteinhaber
    • Die GEMA verwaltet Urheberrechte und damit Nutzungsrechte
    • Die GEMA ist ein wirtschaftlicher Verein, der keinen Gewinn ausschüttet, sondern lediglich für ihren Verwaltungsapparat Gebühren nimmt.
    • Pro Jahr lizenziert die GEMA etwa 1,5 Millionen Einzelveranstaltungen, die Musik spielen.
    • Erwirtschaftete Erträge 2018: 1.019.173.000 Euro, (Ja, das ist über eine Milliarde)
    • Es gibt Sage und Schreibe 137 verschiedene Tarife (Kein Scheiß)

Kommentar verfassen

WhatsApp chat

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen