JUMPA – DER PREIS DER SELBSTSTÄNDIGKEIT

Lieber Jumpa,  

 

Du bist bekannt dafür, eine unglaubliche Range an Styles zu haben und dein Erfolg spricht für sich. Es ist uns eine Ehre, dass du im Rahmen der Beat Unit hilfst, darüber aufzuklären, wie wichtig richtige Steps in der Karriere sind. Vor allem am Anfang einer Laufbahn in der Musikbranche und während der ersten Berührungspunkte mit Künstlern, Freunden & Geschäftspartnern ist es wichtig, vom Erfahrungsschatz aktiver Musikschaffender zu profitieren. Dieser Artikel widmet sich der Frage, was es mit sich bringt, als selbstständiger Musikproduzent in der Musikszene zu leben.

 

Was ist, deiner Meinung nach, der größte Preis der gezahlt werden muss, um „langfristig“ als Selbstständiger arbeiten zu können?  

Der größte Preis ist, meiner Meinung nach, dass man immer arbeiten muss. Wirklich Urlaub machen, zwei Wochen abschalten und das Handy und den Laptop weglegen ist nicht möglich. Ich kann das, ehrlich gesagt, nicht einmal drei Tage lang tun. Das liegt daran, dass man ständig in der Angst lebt, etwas zu verpassen. Es gibt Tage, an denen plötzlich Anfragen reinkommen, die innerhalb der nächsten Stunden erledigt sein müssen. Dann ist es wichtig, ready zu sein und abliefern zu können. Außerdem gibt es neben den kreativen Aufgaben den nicht so angenehmen Teil, wie zum Beispiel das Handling der Finanzen, Steuern, Krankenkasse und weiteres.

 

Was sind die größten Fehler, die Produzent/innen am Anfang ihrer Karriere machen können?  

Nicht aus Fehlern zu lernen. Jeder macht am Anfang Fehler. Es ist jedoch wichtig, Fehler einzugestehen und dann zu verhindern, dass sie nochmals passieren. Jeder Karriereweg verläuft unterschiedlich und deswegen ist es kaum möglich, zu verallgemeinern. Die gröbsten “Fehler” können jedoch verhindert werden, in dem man sich das Internet zu Nutze macht. YouTube und Google waren die größte Hilfe bei meiner Karriere.  

 

Eines der aktuellsten Themen in den anwachsenden Producerkreisen ist das Thema Freebeats. Freebeats und Free for non Profit Instrumentals sind schon länger Trend auf Youtube und der Clickbait generiert bis zu 30% mehr Aufrufe. Mit dem „Freebeatsystem“ holen sich Producer E-Mails von interessierten Künstlern. Wie positionierst du dich zu diesem Thema? Würdest du angehenden Produzenten zu dieser Strategie raten?  

 Super schwer zu sagen. Ich bin der Meinung, dass jeder das machen soll, was sich für ihn richtig anfühlt. Wenn jemand der Meinung ist, sich mit Freebeats einen Namen machen zu wollen, dann soll er das machen. Derjenige muss dann aber wissen, dass es später schwieriger wird, Geld zu verlangen, da er seine Kunden daran gewöhnt hat, die Kunst kostenlos zu bekommen. Producer, die keinen großen Namen haben, die aber direkt unmenschliche Summen verlangen, haben es auch schwerer, Referenzen zu sammeln.  Jeder muss einen Weg für sich finden. Es gibt keine “goldene Regel”. Am Anfang meiner Karriere habe ich ein paar Beats umsonst rausgegeben, aber dann mit jedem Placement oder Upgrade meinen Preis kontinuierlich gesteigert.  

 

Studiosessions sind in der Branche das tägliche Brot.Wie ist es möglich, als junger Start-up Producer an Sessions zu kommen und was sind die Voraussetzungen, um mit dir eine Session machen zu dürfen?  

Um Studiosessions überhaupt gewährleisten zu können, sollte man zunächst in einer Stadt arbeiten, in der Sessions überhaupt passieren können. Im Alltag vergisst man oft, dass viele Beatmaker, die krasse Placements haben, nie in einem richtigen Tonstudio saßen oder jemanden recorded haben. Connecten ist hierbei das A  und O. Dann kommen die Sessions von alleine. Am Anfang meiner Karriere kamen Sessions größtenteils über den Verlag rein. Jetzt von überall. Sänger/innen, Rapper/innen, Produzenten/innen, die einen an Label A&R’s und Verlage weiterempfehlen. Die Voraussetzung für eine Session mit mir ist, dass es zeitlich möglich ist und ich die Musik feier (lacht).  

 

In der Selbstständigkeit verhandelt keiner für dich – Wie wichtig ist es, als Producer über seine Rechte als Musikschaffender Bescheid zu wissen? In welchem Rahmen bekommst du die Informationen, die du benötigst ?  

Ich habe, unter anderem, eine Ausbildung als “Kaufmann für audiovisuelle Medien“ absolviert. Da hab ich das ein oder andere Buch über Musikrechte gelesen. Ansonsten steht alles, was es zu Wissen gibt, im Internet. Viele Leute sind einfach faul und lassen sich eher über den Tisch ziehen, anstatt sich zwei bis drei Stunden Zeit zu nehmen, um im Internet zu recherchieren. Ich finde es sehr wichtig, über seine Rechte Bescheid zu wissen –  das hat mir auch schon bei einigen Entscheidungen weitergeholfen – und Geld konnte ich damit auch sparen.

 

Du sitzt in deinem Zimmer und machst privat für dich Musik – wie unterscheidet sich deine private Musik von der beruflichen Musik – hast du feste Arbeitszeiten oder arbeitest du von Session zu Session?  

Inzwischen gibt es für mich keinen Unterschied mehr zwischen privater und beruflicher Musik. Ich mache kaum noch Aufträge oder Songs, die ich nicht mag oder bei denen ich mich selbst nicht wohl fühle. Es ist jedoch unumgänglich, Dinge zu machen, die man nicht zu 100 % feiert. Doch selbst diese Aufträge konnte ich im letzten Jahr minimieren und möchte in Zukunft nur noch das machen, was sich für mich richtig anfühlt und worauf ich tatsächlich Bock habe. An sich habe ich keine festen Arbeitszeiten. Ich steh morgens auf, fahre ins Studio und arbeite dann bis ich müde werde oder der nächste Termin ansteht.

 

In der Musikszene ist alles miteinander vernetzt und oft sind berufliche Partner auch Freunde – wo setzt du die Grenze?

Gib gerne einen Tipp, wie du es geschafft hast, Business von Privatem zu unterscheiden.  

 Das ist tatsächlich ein Thema, das mich oft beschäftigt. Dadurch, dass ich 24/7 Musik mache und ich mich überwiegend in der Musikszene bewege, habe ich viele Freunde und Freundinnen, mit denen ich Business mache. Das kann jedoch bei Verhandlungen schwierig sein, da dann auch die persönliche Ebene eine Rolle spielt und es schwerer fällt, seinen Standardpreis zu verlangen. Ich mache das nach Bauchgefühl. Ich bin grundsätzlich ein Mensch, der seinen Freunden entgegenkommt, weil ich sie selbstverständlich unterstützen möchte. Einige revanchieren sich, wenn es gut läuft, und einige nicht.  Aber wenn es wirklich Freunde sind, dann gilt bei mir grundsätzlich – “eine Hand wäscht die andere”.  

 

 Würdest du generell empfehlen einen Steuerberater für seine jährliche Steuern zu engagieren?  

 Jeder der von seiner Musik lebt und keinen Steuerberater hat, sollte sich ganz schleunigst einen besorgen. Man kann in Deutschland mit jedem f*****, aber nicht mit dem Finanzamt   

 

 

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