Milez Beats – “Der Preis der Selbstständigkeit”

Wir danken dir dafür, dass du dir die Zeit nimmst, unsere Fragen zu beantworten, Milez Beats. Dieser Artikel erscheint in der Rubrik “Der Preis der Selbstständigkeit”.

 

Milez, wie lange produzierst du schon und wie hast du angefangen? 

Mittlerweile sind es schon 13 Jahre. Angefangen hat aber alles 1999 mit Breakdance. Da kam ich zum ersten Mal mit Hip Hop in Berührung. Wir gründeten in Prenzlau die Crew Crazy Rockets und waren damit für unsere Verhältnisse auch sehr erfolgreich.  Wir nahmen an Battles teil, machten uns mit Auftritten unseren Namen und verdienten damit sogar ein paar Taler für die Crew Kasse. 2003 fing dann meine Ausbildung zum Restaurantfachmann an. Leider blieb da keine Zeit mehr fürs Training, was dann zur Folge hatte, dass die Räumlichkeiten auch nicht mehr zur Verfügung standen. Zum Produzieren kam ich dann 2007 durch meinen besten Freund Sascha aus meiner Heimat Prenzlau, der damals schon eine MPC1000 und eine Testversion von Ableton Live 7 hatte. Das hat mich so sehr fasziniert, dass ich mir sagte: “Das ist es. Das möchte ich mein Leben lang machen und irgendwann damit meinen Lebensunterhalt verdienen.” Ich sagte mir, dass ich es mir nie wieder nehmen lassen werde, das zu machen, was mir wirklich Freude bringt, nur weil es vernünftiger wäre, etwas anderes zu tun. 2008 begann ich dann noch eine Ausbildung zur Sicherheitsfachkraft, merkte aber auch dort, dass es nicht das richtige für mich war.
Nun weiß ich: man kann auch als Produzent ein geregeltes Leben führen. Dazu trägt schon bei, dass ich mir bei dieser Arbeit ich mich am wohlsten fühle. Das bringt auf eine Art auch Sicherheit. Nach zwei abgeschlossenen Berufsausbildungen folgte dann 2016 die dritte Ausbildung zum Sound Designer. Danach habe ich mich selbständig gemacht. Bis heute bereue ich nichts, was meinen Werdegang betrifft. Deshalb kann ich mit gutem Gewissen sagen “Ich bin Produzent aus und mit Leidenschaft”. 

Was ist deine größte Inspiration für Beats & Produktionen? 

Meine Inspirationen ziehen sich aus der ganzen Umwelt, die uns akustisch umgibt und alltäglich begleitet. Alles, was Radio und Fernseher an Musik hergeben. Ich stöber auch ganz gerne mal in alten Platten. Am besten so alt wie möglich. Für mich muss einfach der Vibe stimmen.

Was ist der größte Preis, den man für seine Selbstständigkeit zahlen muss? 

Ich würde eher sagen, dass man für seine Selbstständigkeit etwas erhält, anstatt etwas zu zahlen. Man lernt, bestimmte Dinge mehr wertzuschätzen. Außerdem wird man für gute Arbeit auch belohnt. Ich bin der Meinung, dass es auch immer darauf ankommt, aus welchem Blickwinkel man diese Frage betrachtet. 

 

Wie schon erwähnt, arbeitest du eng mit dem Artistduo 9cigK & Abycc zusammen. Wie habt ihr euch gefunden und wann war für euch klar, dass ihr mehr zusammen arbeiten möchtet? 

9cigK & Abycc habe ich über N. N. O. C. und Anton im Studio kennengelernt. Wir haben oft alle zusammen gesessen und Mucke gemacht und kennen uns jetzt auch schon knapp zehn Jahre. Dass wir zusammenarbeiten möchten, wussten wir eigentlich schon von Anfang an. Dann wurden wir älter, haben Dinge dazugelernt und jetzt geht’s ab. Die Jungs haben 2018 bewiesen, was sie drauf haben und sind allesamt nicht mehr wegzudenken aus der Szene. 

Beste Grüße an die Gang… B) 

#calea43 

 

Es ist nicht einfach, von vornherein ausschließlich als Produzent zu leben und arbeiten. Deshalb haben viele erst einmal einen Nebenjob, um sich weiter ihr Equipment leisten zu können und in ihrer freien Zeit Fortschritte in der Musikbranche zu machen. In den Medien wird überwiegend von den Producern berichtet, die sich komplett durch ihre Musik finanzieren können. Wie ist das bei dir und was für Tipps kannst du neuen Produzenten geben, damit sie von Anfang an bessere Entscheidungen treffen können? 

Man denkt als Produzent oft darüber nach, ob der eigene Weg der richtige war und dass man es vielleicht bereut, ihn gegangen zu sein, wenn es mit der Musik nicht klappen sollte. Als wichtigsten Tipp kann ich empfehlen, nie aufzugeben und immer dran zu bleiben – auch wenn mal schlechte Zeiten kommen – es kommen auch wieder gute Zeiten. Wenn man es wirklich ernst meint, dann kommt man auch ans Ziel. Man muss nur selbst an sich glauben, um das Ziel auch sehen zu können. Ich, zum Beispiel, hatte das Glück und durfte das Album “HOCHHAUS ORIGINAL” von 9cigK und Abycc produzieren und konnte mir davon neues Equipment kaufen. Bis das passiert ist hat es zehn Jahre gedauert. Ich wusste aber immer, dass es nur eine Frage der Zeit sein wird, bis es endlich passiert. Mittlerweile läuft es immer besser. Natürlich musste ich auch in schlechten Zeiten gucken, wie ich vorankomme. Durch meine zwei Ausbildungen konnte ich mir da aber immer noch ein bisschen was dazu verdienen. Fördermittel wären z. B. auch eine Möglichkeit. 

Mag deine Mutter deine Beats? 

Ja. Es ist zwar nicht ihr Lieblingsgenre aber sie steht immer zu 100% hinter mir, wofür ich sehr dankbar bin und was mich auch sehr stolz macht. 

Beschte Muddi wo gibt! ❤  

 

Überlegst du auf lange Sicht ein Management für deine Arbeit als Producer einzustellen ? 

Ja. Ab einem gewissen Zeitpunkt lohnt es sich. Das Management ist eine Wissenschaft für sich, die nicht jeder beherrscht. Der eine beherrscht es mehr, der andere weniger. Und wenn man was erreichen möchte, kommt man damit auch gut voran. Alleine die Kontakte, die ein gutes Management hat, können schon Gold wert sein. 

Du baust dir gerade ein Top Studio in deine Wohnung rein. Erzähl uns gerne, wie du vorgegangen bist und wieso es ist dir wichtig ist, ein eigenes Studio zu haben? 

 

Mir ist es sehr wichtig, unabhängig zu sein. In erster Linie aber ist mir die Akustik wichtig. Ich habe Jahre lang auf Low Budget Level gearbeitet. Da kommt man allerdings schnell an seine Grenzen. Wenn man linear abhören und problemlos produzieren möchte, kommt man um ein gutes Equipment leider nicht drum herum. Dazu gehören Monitore mit Subwoofer (am besten mit Einmess-System), ein Interface mit guter D/A und A/D Wandlung, sowie Akustikmodule und ein leistungsstarker Rechner mit einer guten DAW, um auf dem neuesten Stand zu sein. Die Akustikmodule habe ich mir selbst gebaut, damit ich Kosten spare. Zum Komponieren braucht man mindestens einen guten Midi Controller z.B. in Form eines Keyboards. Auch wenn es insgesamt alles sehr teuer war, bin ich mir sicher, dass es auf lange Sicht gesehen eine gute Investition war. Deswegen der Umbau und das neue Equipment. 

Wie sehr liebst du die Kooperation mit dem Finanzamt? 

 

Also ich kooperiere mit dem Finanzamt weil es Vorschrift ist. Von Liebe kann ich da persönlich nicht reden. Als Selbstständiger ist es wichtig, seine Finanzen im Überblick zu behalten, da das Finanzamt Nachweise über das Einkommen sehen möchte. Leider bekommt man in der Schule nicht beigebracht, wie man Steuern zahlt. Kleiner Tipp: Steuerberater! 

Würdest du es jungen Producern empfehlen, der Beat Unit beizutreten? 

Ja, auf jeden Fall. Man lernt im Verein eine ganze Menge, was man sonst nur in bestimmten Schulungen bzw. Ausbildungen lernt, die einen Haufen Geld kosten. Es bieten sich Möglichkeiten, seine Werke auf dem Musikmarkt zu platzieren und durch Kontakte, die man sonst nicht so einfach hätte, ergeben sich Projekte auf professioneller Ebene. Also: wer mit seiner Kunst professionell arbeiten möchte, ist hier sehr gut aufgehoben. Somit auch ein großes Dankeschön von mir an Sinan und Erik, die mich in die Unit geholt haben und natürlich auch beste Grüße an alle anderen Kollegen für die vielen Infos und den Support. 

Was sind deine nächsten Ziele und was kannst du uns darüber verraten? 

 

Also mein Ziel ist es so lange Musik machen zu dürfen, wie es nur geht. Es stehen auf jeden Fall ‘ne Menge Projekte an, also wird es noch einiges zu hören geben. Vielleicht klappt’s ja auch mal mit einem Übersee-Hit. Mir wurde mal gesagt, dass die Sterne gut stehen – also wer weiß… 😉 

Wir danken dir für deine Antworten 🙂

 

Immer gern. 

Ich danke euch für das Interview.

 

 

Autor: Sinan Bombeiter

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