SYMTEX128 – Der Preis der Selbstständigkeit

 

  • Bora: Wir haben Juni 2020. Was ist bis dato wichtiges in deinem Leben passiert?

Symtex128: Was sollten die Leute wissen? Life ist hard, aber Work hard. Als selbstständiger Musiker/Producer ist es hart. Die „Zeit“ von der du sprichst passiert jetzt gerade, weil sich viel verändert bei mir. Die prägenden Ereignisse für meine Selbstständigkeit kann ich noch nicht nennen, weil das alles angelaufene, jedoch nicht abgeschlossene Stories sind. In der vergangenen Phase meines Lebens war „hustlen“ angesagt, Tag ein Tag aus verschickte ich Beatpacks an amerikanische Artist. Das Timing beim Versenden habe ich so ausgelegt, dass die Artists zu Arbeitszeiten oder in einer Zeit zwischen dem späten Nachmittag und Abend die Beatpacks bekamen. 

  • Bora: Was ist für dich der Preis der Selbstständigkeit?

Symtex128: An erster Stelle: 100% Opferbereitschaft und vor allem Luxus aufgeben.. (schmunzel). Du erlebst Wochen oder auch Monate ohne Geld, ein Druck der belastet und dich im Alltag mitnimmt. Die Einsicht, dass die Basics nicht immer stimmen werden, ich habe schon über einen längeren Zeitraum keinen festen Wohnsitz gehabt und die Akzeptanz zu diesen Umständen geschieht aus der Liebe zur Musik. Ich spüre zu jedem Moment die Selbstständigkeit, doch für mich gibt es auch nur diesen einen Weg im Leben, ohne Alternativen zu einer anderen Form der Arbeit. Ich verfolge straight mein Ziel und steuere große Projekte an. Dieser gesamte Prozess ist sehr fordernd für die Psyche und für den Körper, deswegen ist es wichtig sich gut zu überlegen wie man dieses Goal erreicht. Wenn du mich fragst ist das ständige Networking ein wichtiger Bestandteil für diesen Prozess und dieses Goal, du musst ohne Pause durchgehend connecten. Und zum Ende: Preis der Selbstständigkeit ist auch das Bewusstsein, dass es nicht immer gut läuft und auch vielleicht länger dauern kann als man dachte. 

  • Bora: War es selbstverständlich zu 100% zu producen oder wann kam dein Übergang zur Selbstständigkeit?

Symtex128: 18 Jahre alt, Schule aufgegeben und nebenbei Musik gemacht. Der Weg zum Producen hat sich früh gekennzeichnet durch die Einsicht, dass ich niemals in einem „normalen“ Job überlebe oder stattfinden kann. Die Nebenjobs in denen ich tätig war haben das Ganze auch nochmal verdeutlicht.

  • Bora: Wie gehst du mit deinem Fokus als Künstler um? Bist du in der Musik fokussierter als im Alltag? 

Symtex128: Die Musik ist mein Alltag, gerade jetzt. Anders kann ich das nicht ausdrücken. Mein Fokus liegt absolut auf der Musik, ich fokussiere mich auf die Musik und habe dann auch oft kein Zeitgefühl. Ich produziere dann oft sehr viel Material in einer Session, denn das ist der Essenz des Fokus für mich. 

Bora: Aber du sagst, du hattest oft keinen festen Wohnsitz und anderen „Hustle“?

Symtex128: Ja, aber darin liegt kein Fokus. Ich erledige das lediglich und Ende. 

  • Bora: Gewinn definiert jeder anders – welchen Teil deiner Arbeit definierst und fühlst du als Gewinn?

Symtex128: Ein erfolgreiches und schönes Branding meiner Arbeit definiert mein Gefühl von Gewinn. Es ist wie beim Samen säen, unabhängig davon wie die Entwicklung abläuft möchte ich wissen was passiert, denn vielleicht wird der eine Samen zu einem Baum der viele weitere Jahre wächst und wächst. Diese Möglichkeit möchte ich haben. 

Diese Samen sollen mein Branding tragen. Ein großes Vorbild – um auch erklären zu können, woher das kommt – ist Skrillex. Sein Sound hat ein starkes Branding in Form eines Widererkennungswerts und dieser Faktor mich und meine Laufbahn inspiriert. Es ist immer wieder ein Flashback für mich, wenn sein Tune abgespielt wird, diese Zeit war eine Mischung aus Begeisterung und ein angehender Trieb der sich entfaltet hat. 

  • Bora: Ein fremder fragt dich „Was genau machst du eigentlich?“

Symtex128: (lacht).. Ich bin Musikproduzent. Ich antworte sehr schnell und abgekürzt, um auch Gegenfragen nicht so viel Spielraum zu geben. Hinzu kommt das ich low-key bleiben möchte und ungerne in die famegeile Schiene rutschen möchte. 

  • Bora: Battlen sich Producer? Wie sieht dein Verhalten gegenüber Konkurrenten aus?

Symtex128: In meinem Kopf „Ja“, in der Realität „Nein“. Ich würde gerne das Competition-Gefühl ausschalten und es einfach nicht wollen doch es ist da. Das resultiert aus meiner perfektionistischen Denkweise was meinen Stuff betrifft. 

Es führt meistens dazu, dass ich zum einen denke: heftiger shit! Ich freue mich. Zum anderen folgt: Shit! Ich muss eine Schippe drauf legen. 

  • Bora: Hast du dich in der Vergangenheit mit Musikrechten auseinander gesetzt? Wie stehst du zu dem Thema?

Symtex128: Ich kann jedem Producer nur raten sich damit auseinander zu setzen, weil euch sonst dieses Thema um die Ohren fliegt und wenn ihr einmal in so einer Story steckt ohne abgeklärte Abmachungen, dann bringt viel Geduld mit. Ja, ich war beispielsweise bei einer Produktion nicht als Producer gemeldet und das gab nachher einigen Stress. Ich wäge immer ab, ob ich die ganze Thematik selbst behandle oder an Dritte überlasse und aufgrund der Nahbarkeit zur Musik erhält das Thema Musikrechte auch seinen Fokus. Es ist schwierig auch darüber zu reden, gerade deswegen sollten Producer immer mit Vorsicht sich austauschen dazu. Nicht jeder Zuhörer ist der Richtige, sondern richtige Zuhörer sind sehr wichtig. 

  • Bora: Liebst du die Vielfältigkeit in deinem Alltag oder hast du manchmal Sehnsucht nach Routine?

Symtex128: Ich bin kein Fan von Routinen und war es auch nie, mir ist allerdings bewusst, dass Routinen eine treibende Kraft haben können. Wenn du morgens aufstehst und dein Tag hat keinen Plan, dann wird das auch schon mal zu einem sehr leeren Tag, also: nix gemacht, ein Scheiß-Gefühl. In meiner Definition ist Routine jeden Tag am selben Ort aufzuwachen – im positiven Sinne natürlich. 

  • Bora: Mein Klassiker: Hat Rente eine Hook, ´ne Clap und ein Rhythmus? Zukunftsvorstellung?

Symtex128: Ich weiß nicht, ob ich bis zur Rente komme, aber ich will natürlich solange es geht producen und mich weiter entwickeln. Außerdem sind da noch die GEMA-Einnahmen (lach). 

  • Bora: Zeitmanagement – trennst du deine Zeiten strikt oder arbeitest du lieber in einem organisierten Chaos?

Symtex128: Mein Ablauf bestimme ich komplett nach meiner Stimmung und dem kann ich mehr nicht hinzufügen. 

  • Bora – Abschlussfrage: Wie stehst du zur Beatunit?

Symtex128: Was waren deine bisherigen Erfahrungen und was sind deine bisherigen Erfahrungen und was sind deine Wünsche für die Zukunft?

In Österreich ist die Beatunit leider noch nicht so ganz angekommen, aber ich denke das wird noch kommen. Ich freue mich über viel Aufklärung zur Branche und deswegen freue ich mich auch über dieses Interview, weil ich hoffe, dass ich meine Erfahrungen weitergeben konnte, vor allem was mir geholfen hat. Und als Goal natürlich, dass es die Producer eventuell mit diesem Content es leichter haben als die anderen. Ich wünsche mir, dass die jungen Producer erreicht werden bevor sie Fehler machen. 

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